Beispiele aus der Praxis

Einzelcoaching – Schlafprobleme

Frau M. ist 38 Jahre alt, hat zwei Kinder im Grundschulalter und arbeitet 25 Stunden die Woche als Projektleiterin. Sie kommt auf Empfehlung, weil sie seit mehreren Monaten schlecht schläft und inzwischen fast jede Nacht mehrere Stunden wach ist. Sie nutzt die Zeit, um in der Wohnung aufzuräumen oder überfällige Büroarbeiten zu machen, könnte dann aber morgens, wenn die Kinder zur Schule müssen und sie mit ihrer regulären Arbeit anfangen will, wieder einschlafen und quält sich durch den Tag. Sie war bereits bei ihrer Hausärztin, die keine organische Ursache gefunden hat. Frau M. findet ihr Leben jetzt gar nicht so anstrengend, ihr Mann und sie teilen sich die Hausarbeit und Kinderbetreuung, sie hat sogar Zeit für Sport und ihre Freundinnen, sie merkt aber, dass sie langsam Angst vorm Schlafengehen entwickelt.

Was ist das Hauptproblem?

Frau M. hat einen Schlafrhythmus, der von dem ihr bisher bekannten abweicht, und der damit einhergehende Schlafmangel lässt ihren Tag viel anstrengender werden als bisher. Wir besprechen den Zusammenhang von Biorhythmus, individueller Schlafdauer, Schlafphasen und körperlicher Erholung und Frau M. schildert mir eine typische Woche mit allen ihren Alltagstätigkeiten. Die Woche scheint zwar gut gefüllt, aber es gibt auch Erholungszeiten bzw. nicht durchgeplante Zeiten, so dass Stress durch Überlastung nicht die Ursache für das Schlafproblem zu sein scheint.

Als nächstes sprechen wir über Probleme und Sorgen in der Familie, mit den Kindern, Freunden und in der Arbeit. Gibt es dort eine Veränderung im letzten halben Jahr, die ihr solche Sorgen bereitet, dass sie sie um den Schlaf bringen? Frau M. verneint das. Natürlich gibt es das ein oder andere Problem, aber nichts davon ist akut oder so stressig, dass sie sich nachts Sorgen macht.

Wir besprechen, dass sie sich bis zur nächsten Sitzung noch mal darüber Gedanken macht, ob wir nicht einen wichtigen Teil ihres Lebens vergessen haben und Frau M. wird ein Schlaftagebuch führen und verschiedene nächtliche Einschlaftipps ausprobieren.

Ursachenforschung Teil 2

Frau M. berichtet in der nächsten Sitzung nach 4 Wochen, dass sie in 3 von 5 Nächten nicht durchschlafen kann, von den Einschlaftipps hat keiner wirklich geholfen. Am Wochenende ist sie oft so erledigt, dass sie sich nachmittags hinlegen muss. Sie geht dann später ins Bett, so dass die Durchschlafstörungen nicht auftreten.

Wir diskutieren die Möglichkeit eines frühzeitigen Eintritts in die Wechseljahre – Schlafstörungen können da ein erstes Symptom sein. Frau M. wird das mit ihrer Frauenärztin abklären.

Außerdem besprechen wir, dass Entspannungstechniken beim Wiedereinschlafen helfen könnten. Frau M. hat sich mit Entspannung, den verschiedenen Techniken und welche davon bei ihr helfen können, noch nicht beschäftigt, so dass wir in dieser und der nächsten Sitzung verschiedene Entspannungstechniken ausprobieren und dabei über Grundlagen der Entspannung sprechen. Frau M. ist überrascht, dass sie relativ schnell bemerkt, auf welche Entspannungstechniken sie anspricht und möchte das zuhause ausprobieren – auch nachts.

Zusammenfassung

In den nächsten beiden Sitzungen berichtet Frau M. über ihre Erfolge und Misserfolge, Entspannungstechniken und Durchschlafen zu vereinen. Interessanterweise funktionieren einige Methoden tagsüber besser als nachts und andere, denen sie kritisch gegenüberstand, helfen ihr nachts, ruhiger zu werden und schneller wieder in den Schlaf zu finden. Die Kontrolle des Hormonstatus ist unauffällig, es scheint wirklich einfach so zu sein, dass Frau M. sich in einer Lebensphase befindet, in der aktive, bewusste Entspannung eine größere Rolle in ihrem Leben beansprucht. Wir haben zusammen ein paar Trainer und Coaches für die Entspannungstechniken recherchiert, die Frau M. am besten helfen und bei denen Frau M. mehr und detaillierte Kenntnisse erlernen kann.

Da Frau M. zwar nach wie vor 3 Nächte pro Woche aufwacht, aber in zwei Nächte sehr schnell wieder einschlafen kann, verabreden wir, dass Frau M. sich weiter mit Entspannung auseinandersetzt und wieder zu mir kommt, sollte sie erneut Hilfe benötigen.

Krisenberatung – Umstrukturierung in der Firma

Herr St. ruft vormittags an, er möchte gern gleich nachmittags vorbeikommen – er klingt ziemlich atemlos und aufgeregt.

Was ist das Hauptproblem?

Herr St. hat vormittags in seiner Firma erfahren, dass im Rahmen einer Umstrukturierung zwei Kollegen aus seinem direkten Team zukünftig seine Vorgesetzten sein werden. Mit beiden Kollegen kommt er seit langem nicht gut aus, er befürchtet, sie werden alles daran setzen, ihn zu kündigen bzw. ihm seinen Job so schwer zu machen, dass er über kurz oder lang selbst kündigen wird.

Herr St. ist Ende 40, seit 18 Jahren in der Firma beschäftigt, er ist Hauptverdiener seiner Familie, die aus ihm, seiner Frau und 2 pubertären Kindern besteht.

Herr St. berichtet, dass seine Abteilung wegen der Probleme im Team bereits mit einem externen Coach zusammengearbeitet hat – allerdings sind die wirklichen Probleme während des Coachings nicht angesprochen wurden. Er berichtet von unkollegialem Verhalten, Mobbing gegenüber einzelnen Personen, ausgeprägten hierarchischen Strukturen, unklaren Arbeitsprozessen.

Wir einigen uns darauf, dass wir uns am nächsten Tag erneut treffen, wir wollen diese zweite Stunde während eines Spaziergangs abhalten. Herr St. soll sich bis dahin Gedanken machen, was er persönlich an seiner Situation ändern kann. Er möchte darüber auch mit seiner Frau und seinem besten Freund sprechen, der über seine berufliche Unzufriedenheit informiert ist.

Mögliche Auswege

Herr St. sieht sorgenvoll aus, als wir am vereinbarten Treffpunkt aufeinanderzugehen. Seine Frau hatte weniger Verständnis für seine düstere Zukunftsszenarien, als er gehofft hatte. Sie meinte, er solle es erst einmal abwarten, wie sich alles entwickelt, und nicht alles so schwarz sehen. Sein Freund hat ihm Beispiele aus der eigenen Arbeitssituation geschildert, die allesamt schlecht endeten – Abmahnung, fristlose Entlassung, Frau unzufrieden, Scheidung, Langzeitarbeitslosigkeit.

Wir besprechen, dass in so einer Situation hilft, wenn man sich auf den eigenen Bewegungshorizont besinnt – also darauf, was Herr St. selbst, eigeninitiativ, ohne andere machen kann, damit es ihm während der Arbeitszeit besser geht und er sich nicht so ausgeliefert fühlt. Dazu gehört auch Information einzuholen: Wer hat festgelegt, in welches Team jeder kommt, was sind seine konkreten Aufgaben in der neuen Struktur, was ist seine Rolle? An wen berichtet er zukünftig? Was ändert sich konkret? Ist der Betriebsrat eingebunden? Oder die Personalabteilung.

Herr St. wird langsam ruhiger. Diese Informationen kann er alle einholen, ohne dass er unangenehm auffällt, sondern er versteht, dass er dadurch Interesse zeigt, was ja eher positiv auffällt. Auch berichtet er, dass in dem jetzt kleineren Team ein paar Kollegen sind, die er mag und mit denen er gern zusammenarbeitet. Das sieht er als Pluspunkt an.

Wir verabreden, dass er bis zum nächsten Treffen für beide neuen Vorgesetzten eine Übersicht ihrer Charaktereigenschaften erstellt und für jede Eigenschaft ein Beispiel aufschreibt.

Für Herrn St. steht fest, dass er dieser neuen Struktur eine Chance geben möchte, bevor er sich nach einem anderen Job umsieht.

Weiteres Vorgehen

Bei den nächsten Terminen gehen wir die Beschreibungen der beiden Vorgesetzten durch und überlegen gemeinsam, wie Herr St. reagieren könnte, sollte eine der Beispielsituationen erneut auftreten. Das lässt Herrn St. mit der Zeit sicherer werden, wie er im Umgang mit den neuen Vorgesetzten souveräner auftreten kann. Seine Arbeitssituation entspannt sich zwar nur ein wenig, aber mit den Übungen wird aus dem großen Problem zunehmend ein bewältigbares.

Wir besprechen, ob Herr St. Parallelen bei der Problembewältigung in anderen Lebenssituationen sieht, denn immerhin hat ihm seine Frau als erstes Feedback gespiegelt, dass er dazu neigt, ein Problem schnell als sehr bedrohlich wahrzunehmen. Und überlegen gemeinsam, ob und in welcher Form er sich dieses Verhalten genauer ansehen möchte.

Herr St. erhält eine Übersicht verschiedener Therapieformen und eine gemeinsam erarbeiteten Liste von möglichen Coaches bzw. Therapeuten, seine akute Krise sieht Herr St. als überstanden an.

Firmencoaching

Die Personalabteilung einer mittelgroßen Firma berichtet von Problemen in einem Team aus 15 Mitarbeitern. Es gab in den letzten 6 Monaten mehrere Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern und der Vorgesetzten, da die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern nicht gut funktioniert. Die Arbeitseinstellung und der Umgangston untereinander ist sehr unterschiedlich, einige Mitarbeiter sind miteinander befreundet, andere lehnen privaten Kontakt strikt ab, sie trennen Arbeit und Privatsphäre voneinander.

Die Vorgesetzte möchte das Team gern in dieser Form erhalten, da sie alle Teammitglieder fachlich und menschlich schätzt, sieht aber auch Handlungsbedarf, weil sie befürchtet, dass unter Zeitdruck die Leistungsfähigkeit der Abteilung abnehmen wird.

Kontaktaufnahme zum Team

Wir besprechen gemeinsam mit dem Team, ob ein Vortrag mit anschließender Diskussion als Einstieg geeignet wäre – für einen Außenstehenden sind dabei gruppendynamische Verhaltensweisen gut erkennbar, die dann angesprochen werden können. Alternativ sind Aufstellungsszenarien denkbar, die allen Teammitgliedern ihre Beziehungen zueinander sichtbar machen.

Dieser zweite Vorschlag wird angenommen, die Teammitglieder sind neugierig, ob sie in so einem visualisierten „Gruppenspiel“ neue Erkenntnisse erhalten.

Gruppenberatung mit Experten

Aufgrund des gewählten Vorgehens und der Teamgröße wird diese Beratung zusammen mit einer erfahrenen Therapeutin durchgeführt. Wir legen gemeinsam einen Fragenkatalog fest, den alle Teammitglieder vor Beginn des nächsten Treffens ausfüllen und uns zukommen lassen. Die Antworten werden anonymisiert und dann willkürlich an alle Teilnehmer verteilt.

Im nachfolgenden Setting werden verschiedene Situationen mit den vorhandenen Antworten durchgespielt und mögliche Alternativen in der Gruppe diskutiert. Dabei handelt es sich nach einer leichten Übungssituation aus dem Büroalltag um verschiedene Arbeits- und Alltagssituationen, in denen teilweise Lösungen gefordert sind, die nur durch Zusammenarbeit erreicht werden können. Beispielsweise erscheint in einem Szenario die Abteilungsleitung nicht zu einem Kundentermin, so dass mehrere Mitarbeiter ihre Aufgaben spontan und unabgesprochen übernehmen müssen, in einem anderen Beispiel kommen sich zwei Mitarbeiter nahe, die bisher alle persönliche Kontakte abgelehnt haben.

In den anschließenden Feedbackgesprächen sind die Teammitglieder überrascht, welche Kombinationen an Zusammenarbeit sehr effektiv waren und wie dieser Perspektivwechsel das Verständnis für eine andere Sichtweise wecken konnte. Sie legen fest, dass sie zukünftig feste informelle Treffen einführen werden, um das Miteinander stärker zu fördern und so die ersten Ansätze an Zusammenarbeit von Kollegen, die bisher nicht zusammengearbeitet haben, auszubauen. In einem Folgetreffen nach mehreren Monaten berichten die Teammitglieder, dass die Zusammenarbeit besser funktioniert, sie wünschen sich eine weitere Beratung mit Außenstehenden wegen einer konkreten Problemstellung in einem diffizilen Projekt.